Rückblick 2025: Fortschritte bei öffentlichen Projekten – Defizite bei der Infrastruktur
Als Ergebnis jahrelanger Arbeit konnten im Landkreis mehrere öffentliche Einrichtungen soweit fertiggestellt werden, dass ein Bezug ganz oder großteils möglich war, zum Beispiel die Turnhalle des König-Karlmann-Gymnasiums und das Landratsamt. Damit können Schule und Verwaltung eine jahrelange Ausweich- und Bausituation überwinden und ihre Möglichkeiten besser ausschöpfen, denn gute Sportstätten, auch für Vereine, und ein funktionierender Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen sind Voraussetzung für die Teilnahme am gemeinsamen Leben im Landkreis. Dieses wurde maßgeblich auch durch den Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bereichert, der das kulturelle und künstlerische Potential des Landkreises kennen lernen konnte. Leider kommen umgekehrt bundes- und landespolitische Entscheidungen der v.a. der Infrastruktur der Region nur unzureichend zugute. Die jüngste Ankündigung, dass die Bahnstrecke Mühldorf nach Simbach nicht elektrifiziert wird, zeigt die jahrzehntelange Vernachlässigung des Zugverkehrs und der für die A 94 in Aussicht gestellte Termin Ende der 30er Jahre ist vergleichsweise spät.
Chemiedreieck im Umbruch: Herausforderungen für Wacker und Chancen durch Innovation
Die Firma Wacker steht genauso wie die deutsche Chemieindustrie insgesamt vor schwierigen Herausforderungen. Dabei ist die schwächelnde Konjunktur ein großes Problem gerade für den Verkauf der in Burghausen produzierten Grundstoffe z.B. für die Baubranche. Hinzu kommen weltweite Hemmnisse in Form von Zöllen etwa in den USA. Für die oft angeführten hohen Energiekosten scheint es nun in Form des versprochenen Industriestrompreises eine Lösung zu geben. Bereits die Ampelregierung hatte die Unterstützung der energieintensiven Branchen in die Wege geleitet. Weitere positive Entwicklungen können angestoßen werden, wenn sich die Industrie auf die bekannten Stärken wie Erfindungsreichtum und Produktqualität besinnt. Wie eine Tagung in Burghausen gezeigt hat, könnte zum Beispiel die Kreislaufwirtschaft neue Impulse für den sparsamen Umgang mit Rohstoffen und Energie geben. Für weitere Impulse dürften ebenso neue Werkstoffe stärker in die Forschung einbezogen werden, wie etwa nachhaltige Pilzstrukturen, die schon erfolgreich in der Bauwirtschaft zum Einsatz kommen. Die TH Rosenheim zeigt, dass nachwachsende Rohstoffe wie Holz sehr gute Eigenschaften aufweisen, beispielsweise für eine Mehrfachverwendung und kostengünstige Rohstoffquelle für eine Bioraffinerie.
Zukunft sichern: Welche Aufgaben die Kommunalpolitik jetzt hat
Diese Zukunftstechnologien können mit dem Reallabor noch mehr unterstützt werden, so dass die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden, damit dann die Umsetzung der Ergebnisse aus den Forschungsbereichen in die Produktion hinein möglichst bald erfolgen kann. Grüner Wasserstoff eignet sich hier vor allem für neue Prozesse, weniger dafür, als Kraftstoff für Autos oder LKWs zu dienen, denn momentan ist grüner Wasserstoff noch sehr rar. Die Kommunalpolitik kann dabei die benötigten Flächen für innovative Produktionen bereitstellen und zum Beispiel helfen, interessierte Firmen anzusiedeln, die langfristig Arbeitsplätze in den Zukunftsmärkten schaffen. Gleichzeitig sollte darauf geachtet werden, dass auf lange Sicht die Zukunftsfähigkeit der Region nicht wieder durch die Beeinträchtigung von Boden oder Trinkwasser in Frage gestellt wird, damit nicht noch weitere wirtschaftliche Investitionen mit den dazugehörigen Arbeitsplätzen aufgeschoben oder verhindert werden.
Infrastruktur mit Priorität: Was EU, Bund und Land liefern müssen
Für die große Politik sollte ein sinnvoller Ausbau der Infrastruktur eine Rolle spielen, der über die reine Ankündigungspolitik zu Wahlkampfzeiten hinausgeht. Dazu muss die europäische Verkehrsplanung mit der deutschen und bayerischen Setzung von Prioritäten abgestimmt werden. Es müssen endlich die Bahnstrecken von Paris über München (und Mühldorf) nach Budapest (ABS 38) sowie die bayerische Seite der Schienenanbindung über den Brennerbasistunnel möglichst schnell realisiert werden. Damit werden auch die Straßen vom Schwerlastverkehr deutlich entlastet. In den kommenden Jahren sind für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur vordringlich die bestehenden Brücken und Straßen zu sanieren, die durch den zunehmenden Verkehr massiv gelitten haben. Ein weiterer Ausbau von Gütertransport mit der Bahn sowie eine deutliche Stärkung des ÖPNV und des Radverkehrs auf Strecken mit mittlerer Reichweite etwa für den Berufsverkehr kann zu spürbaren Entlastungen der Straßen führen. Zusätzlich sind damit Reduzierungen von Lärm und Abgasen erreichbar.
Über einen europäischen Stromverbund mit Hochleistungstrassen kann außerdem der dringend benötigte Strom in den Landkreis befördert werden, ebenso wie zukünftig der grüne Wasserstoff über eine Pipeline.
Windpark im Staatsforst: Regionale Wertschöpfung durch erneuerbare Energien
Der Windpark ist ein wichtiger Baustein für Energiesicherheit und Klimaschutz sowie die Unabhängigkeit von Energielieferungen aus Diktaturen. Bei allen Schwierigkeiten und Diskussionen kann hier Strom für die Region erzeugt werden und das im doppelten Sinne. Neben der reinen Energielieferung kann mit einer breiten Bürgerbeteiligung von ca. 50% ermöglicht werden, dass auch die Gewinne aus der Stromproduktion zu einem hohen Anteil im Landkreis bleiben. Ein weiteres Beispiel aus dem Bereich der erneuerbaren und umweltschonenden Energieerzeugung, die Wasserkraft am Inn, zeigt, dass hier über viele Jahre eine hohe Strommenge größere Geldbeträge als Steuern in der Region belässt und die Einnahmen des Landkreises Altötting spürbar erhöht.
PFOA/PFAS: Gesundheit, Umwelt und Planungssicherheit endlich ernst nehmen
PFOA und PFAS erweisen sich seit mehreren Jahren bereits als Problem für Mensch und Umwelt, zunehmend auch für die ökonomische Entwicklung im Landkreis. Zunächst sollte das Bayerische Umweltministerium weitere Untersuchungen durchführen, damit das Ausmaß der Schäden zielgenauer erfasst werden kann und nicht immer neue Unsicherheiten auftauchen. Schnelles Handeln ist hier notwendig, weil die Belastung spätestens seit der Aktion von Greenpeace an der Alz vor beinahe zwanzig Jahren bekannt oder zumindest zu erahnen war. Die Probleme betreffen nicht nur die Fische oder das Grundwasser, sondern als Folge ebenso die Bauwirtschaft und die Entwicklungsfähigkeit von Städten und Gemeinden. Diese benötigen jetzt Planungssicherheit, so dass über das Umweltressort hinaus auch der Bayerische Ministerpräsident das Problem endlich zur Chefsache machen muss. Dazu gehören unter anderem die Entschädigungsleistung durch die Verursacher und die Beseitigung der hochbelasteten Schadstoffe in einer geeigneten Deponie.
Finanzielle Handlungsfähigkeit erhalten: Investitionen trotz schwieriger Lage
Für den Landkreis stehen zunächst die Pflichtaufgaben im Vordergrund. Allerdings gehören zur Handlungsfähigkeit der Gesellschaft genauso freiwillige Leistungen, gerade im sozialen Bereich, die für das Zusammenleben der Menschen mitsamt den Vereinen und den Ehrenamtlichen eine ganz wichtige Rolle spielen. Ganz ähnlich bilden die Schulen eine langfristige Grundlage für die Erhaltung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und des gesellschaftlichen Miteinanders. Darum sind weitere Investitionen in die Bildung unbedingt erforderlich. Wenn die Gelder nach einem klaren Fahrplan gut geplant eingesetzt werden, können sowohl in der Berufsschule als auch an den Realschulen sowie Gymnasien notwendige Maßnahmen umgesetzt werden. Rechtzeitige und abgestimmte Investitionen helfen teurere Folgen zu vermeiden, wie etwa bei Schäden durch undichte Dächer. Bei den Straßen sind viele Vorhaben bereits umgesetzt und neue Investitionen sollten daher bedarfsgerecht geprüft werden.
InnKlinikum stabilisieren: Qualität, Personal und moderne Versorgung als Schlüssel
Das InnKilinikum ist prinzipiell auf einem guten Weg bei der schrittweisen Reduzierung des Defizits. Unbedingt müssen aber die Betten wieder besser belegt und die Kapazitäten intensiver genutzt werden. Hierzu gehört nicht zuletzt, die Patientinnen und Patienten wieder vermehrt von der Qualität und den Vorteilen einer wohnortnahen medizinischen Versorgung zu überzeugen. Ein bedeutender Baustein ist dabei das gut ausgebildete und richtig motivierte Personal. Dass nun endlich der Bau eines Klinikgebäudes mit günstigen Wohnungen geplant wurde, ist ein erster Schritt. Darüber hinaus stellen die digitalen Möglichkeiten der modernen Medizin eine große Chance dar, wenn der entsprechende fachliche Rat online und damit zeitnah eingeholt werden kann. Die zusätzliche Stärkung der Notfallmedizin und der Altersmedizin hilft bei den Umbrüchen im Hausarztsystem und kann neues Vertrauen in die Behandlungsmethoden des InnKlinikums erzeugen sowie die Verknüpfung etwa zum Pflegebereich verbessern.
Ausblick 2026: Sachpolitik, Zusammenarbeit und Verantwortung nach der Kommunalwahl
Das Jahr 2026 kann vor allem mehr Klarheit für die Weiterentwicklung der kommunalen Finanzen bringen, da bei einer fairen Verteilung der Bundesmittel aus dem Infrastrukturfonds eigentlich zu erwarten wäre, dass z.B. der Freistaat diese bundesdeutschen Gelder aufgrund der besonderen Situation der kommunalen Ebene möglichst zielgerichtet auch in den Landkreis Altötting lenkt. Nach der Kommunalwahl sollte für den Kreistag deshalb gelten, dass gemeinsam nach den besten Einsatzmöglichkeiten für diese hoffentlich größeren Summe gesucht wird. Dabei dürfte weniger Triumphieren oder taktierendes Gegeneinander gefragt sein als sachliche Diskussion. Der neue Landrat ist daher gehalten, die demokratischen Kräfte und die am Wohle des Landkreises und seiner Bevölkerung konstruktiv mitarbeitenden Fraktionen einzubinden und deren Vorschläge gleichermaßen zur Geltung kommen zu lassen. Dann können wir alle mit Zuversicht und gegenseitigem Respekt zukünftige Aufgaben annehmen und die notwendigen Lösungen finden. Gerade das stärkt in der Folge das Vertrauen in Politik und Zukunftsfähigkeit, in Rechtsstaat und Demokratie.